Zu meiner Arbeit
Unterwegs sein im Alltag in der Natur, in der Stadt - das sind meine Inspirationsquellen. Farben, Formen, Licht, Schatten, Spiegelungen, Jahreszeiten, Tageszeiten, Stimmungen. Da entstehen meine Bilder, die mich beschäftigen und faszinieren - mein Blick auf die zweite Natur.
Bei der Malerei Interessiert mich, Farben eine Form zu geben. Ihre Details und Feinheiten entdecken, um mich so einer Bildkomposition anzunähern. In der "Skyp Serie" versuche ich eine digitale Wirklichkeit zu enträtseln und das innere Wesen der porträtierten Person erscheinen zu lassen. Bei den screen shots fasziniert mich, wie die digitale Technik einerseits das reale Bild zeigt, und andererseits seine Verfälschungen. Diese Manipulationen - deren Härte und Unwahrheiten - ergeben seltsame Illuminationen, verfremdete Farben und Staunen.
Im Gegensatz zur Malerei geniesse ich beim Zeichnen einen spielerischen Freiraum, der durch das Weglassen von Details, und Leerstellen entsteht. Dieser Freiraum ergibt sich zum Beispiel durch linkshändiges Zeichnen, reduzierte Striche und fragmentarische Abbildungen sowie der Realität abweichende Farben und Formen. In der Werkgruppe " Die Versöhnung" veranlasst mich ein Traum dazu, ab schwarz/weiss Fotoszenen aus meiner Kindheit zu zeichnen.
Mischtechnik heisst für mich die manuelle Technik mit den neuen Medien - im speziellen Photoshop kombiniert anzuwenden. Zum Beispiel in der Postkarten-Serie wo ich Zeichnungen Fotografien und Malerei in Ebenen geschichtet zusammenfüge. Andererseits lasse ich ausgewählte Bilder auf Leintuch oder Leinwand drucken. Dadurch wird die digitale Welt wieder zurück zur Malerei gebracht. In der Werkgruppe "Clandestin" werden schwarz/weiss Fotos aus der Kindheit vergrössert und verdunkelt ausgedruckt, anschliessend meine Figur mit Photoshop herausgeschnitten und danach mit Tusche und Aquarell wieder hineingezeichnet.
* Kunst als ungebundene Form...
"Die zeichnerischen Arbeiten von Béatrice folgen nicht dem Ideal einer möglichst vollständigen Abbildung. Den erst im Spielraum den diese Zeichnungen offen lassen, den Leerstellen dem Weglassen, lebt eben die Ambivalenz dieser Zeichnungen, einer der vielen Charakteristiken nicht nur jene der Kunst des Zeichnens: Es bleibt somit immer ein Unterschied zwischen dem was wir sehen - und dem was wir wissen: Die Zeichnungen müssen decodiert werden, um tiefer in die Bildschichten und die bildhaft erzählten Geschichten vorzudringen. Es sind keine Zeichnungen die oberflächlich aus sich heraus verständlich sind - << wir müssen uns dem sehen hingeben, wir müssen sehen geschehen lassen und das fragmentarisch Abgebildete zu lesen und zu interpretieren versuchen >> (John Berger). Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Andeutungen, ihre inhaltlichen Gewichtungen und die zahlreichen und facettenreichen erzählerischen Aspekte die in diesen Arbeiten aufscheinen, verhindern eine schnelle Antwort auf das Dargestellte. Referenzielles muss ergründet werden. Wir werden gezwungen zu verweilen und können der widersprüchlichen Wechselbeziehung zwischen Wahrnehmung und Wissen nicht mehr entkommen. Das Abwesende, das nicht Sichtbare, wird durch die bildgewordenen Andeutungen zum Gegenstand des Bildes. Béatrice ist eine subtile Erzählerin aber sie gibt nicht alles preis. Die Zeichnerin zwingt uns das Bruchstückhafte mit unserer eigenen Einbildungskraft vor dem inneren Auge mit unserer Erinnerungen zu füllen und so die dargestellten Inhalte ( vielleicht ) zu verstehen."
Textauszug von Stefan Kauffungen Ansage zur Einzelausstellung " four storys" 2016